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Klapse oder Hotel?

Nach 7 Monaten Wartezeit ist es endlich soweit,
ich habe einen Platz in einer der besten deutschen Psychosomatischen Kliniken bekommen.
Gelandet bin ich auf einer der Stationen für Borderline-Persönlichkeitsstörungen und hier werde ich die nächsten 10-12 Wochen verbringen.

Als ich letzte Woche ankam viel mir als erstes auf wie unfassbar freundlich alle waren, ich kam mir fast so vor wie auf dem Land. Egal ob man sich kannte oder nicht,
alles und jeder wurde gegrüßt. Das ist normalerweise gar nicht meine Art, ich versuche immer jeglichen Kontakt zu Menschen aus dem Weg zu gehen, aber schon nach 2 Stunden wurde ich angesteckt. Mir rutschen ständig Begrüßungen und nette Dinge aus dem Mund. Ob mir das so recht gefällt weiß ich aber noch nicht…

Nach dem ersten rumführen und viel zu viel Gelaber kam ich dann auf mein Zimmer. Einzelzimmer! Eigenes Bad! Wenn die fürchterliche unidentifizierbare Farbe des Teppichs und der Möbel nicht wären, könnte ich mich hier glatt richtig wohlfühlen. Mintgrün/blau/türkis oder was-auch-immer ist allerdings nicht ganz mein Fall… wobei mir schon gesagt wurde das meine türkisen Haare gut hineinpassen würden. Ich hoffe dem ist nicht wirklich so, sonst sollte ich meine Haarfarbe nochmal überdenken. Zurück zum wesentlichen – das Bett! Ich habe vermutlich noch nie in einem so gemütlichen Bett geschlafen. Elektronisch verstellbar und die Matratze.. ! Ich hab bisher noch keine Rückenschmerzen gehabt, welche mir normalerweise treue Begleiter sind. Schlafstörungen und Alpträume gehören noch zur täglichen Nachtruhe, aber ich bin zuversichtlich.
Letzte Nacht war mal wieder großes Gemetzel a‘la Battle Royale (oder The Hunger Games, wie auch immer..) dran. Wieso sind nur immer alle gegen mich?! Vielleicht sollte ich nächstes Mal einen der.. hmm.. 20 Notrufknöpfe meines Zimmers betätigen? Egal wo ich in meinem Zimmer umkippen, geknebelt oder massakriert werden würde, ich könnte einen der Schalter betätigen.
Wie beruhigend!

Vor dem Essen hatte ich große Angst, als Vegetarier ist man ja eh eher schlecht dran und dann auch noch Klapsenfutter? Kann nur schlecht werden, oder?
Gar nicht! Das Essen ist WIRKLICH gut! Es gibt Essen vom Büffet, aufgeteilt in Vollkost (FLEISCH!) und Vegetarisch. Fetter Pluspunkt!
Die nächste Frage war dann ja – wie ist es geschmacklich? Und auch da konnten mich die Klapsenköche voll überzeugen – es schmeckt besser als in den meisten Restaurants.
Zum Glück werden auch fast nur frische Zutaten benutzt, was ja auch nicht unbedingt Restaurantstandard ist… Ich bin jedenfalls voll überzeugt. Fettes Danke an die Küche!

Kommen wir zum Therapieangebot – mein Plan ist noch ziemlich leer, das wird sich die nächsten Tage aber ändern, wurde mir gesagt. Meine Bezugstherapeutin ist vermutlich erst um die 30, macht aber nen netten, lässigen Eindruck. Im Erstgespräch hab ich mich sehr gut mit ihr verstanden, das wird hoffentlich so bleiben. Ich habe ab nächster Woche 2 Einzeltherapiegespräche, 4-mal Gruppentherapie, 2-mal Kunsttherapie, 2-mal Bewegungstherapie (das werde ich vermutlich hassen! Ich bevorzuge da ja eher Bewegungen die ich über einen Controller+Konsole steuern kann..) und 2-mal Biofeedback (Was das wohl ist?).
Ansonsten noch n paar Infostunden zum Krankheitsbild allgemein, wie zum Beispiel der „Basisunterricht“, an dem ich heute schon teilgenommen habe. War sehr interessant… Borderliner haben durch einige Selbstzerstörerische Maßnahmen im Nachhinein einen viel höheren Ausschuss von Serotonin und Dopamin als vorher. Auch Dissoziation gehört bei vielen mit einer Borderline-Störung dazu. Leute! Hört auf euch mit MDMA, Koks oder Ketamin zuzuknallen – wechselt zur dunklen Seite der Macht und ihr habt alles inbegriffen!
Na ja, so leicht geht das natürlich nicht.. dann wäre ich vermutlich auch glücklicher mit der Störung.

Wo wir gerade eh beim Thema Drogen sind,
kann ich auch direkt meine (vermutlich) wahnsinnig zugekokste Mitpatientin vorstellen! Ich habe keine Ahnung wie sie heißt, ist vermutlich auch besser so.. Immer, aber wirklich immer! hat die Dame ihren Basketball dabei und prügelt auch konsequent brav drauf ein.
Keine Ahnung ob sie uns damit einschüchtern möchte oder daran ihre Aggressionen ablässt, aber es hat Wirkung. Sobald sie sich in der Nähe von anderen Patienten aufhält,
gibt’s stress und alle machen einen Bogen um sie. Ich nenne sie nur „das böse Mädchen“, scheint auch zu reichen, denn jeder auf meiner Station weiß sofort wer gemeint ist.
Bei unserer zweiten Begegnung in der Einführungsgruppe hat sie dann ihre Lebensgeschichte erzählt (obwohl wir uns nur kurz vorstellen sollten) und da kam dann auch zur Sprache das sie schön viel säuft und Kokain ihr bester Freund wäre. Ich bin mir nicht sicher ob sie hier auch dauerhaft am koksen ist, ich konnte bisher noch keinen Schnee an ihrer Nase festmachen. Falls sie hier nicht zieht, möchte ich sie allerdings auch nicht zugekokst erleben.
Die Frau ist pure Aggression und Respektlosigkeit, hört niemals auf zu reden (hauptsächlich nur dumme unüberlegte Sprüche die wirklich gegen jeden gehen) und stört dauerhaft den „Unterricht“, indem sie alles und jeden in Frage stellt, nur sich natürlich nicht.

Ich bin also in einer Klapse mit All-Inklusive-Feeling gelandet und fühle mich ungewöhnlich wohl hier. Da muss irgendwo n Haken sein! Vielleicht habe ich mich aber auch einfach mal für das richtige Entschieden..
8.7.13 19:08
 
Letzte Einträge: Konsequent Inkonsequent, Kurz und Knapp.


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